I793 lesen wir im Heinder Kirchenbuch unter der vierten Eintragung: " Am 8. Juni ist der Königl. Preußische Cammer Präsident des Herzogtumes Cleve, Herr Heinrich Friedrich Carl Frei Herr von Stein mit der zweyten Comtesse Tochter Sr. Exellence des Herrn Reichsgrafen von Wallmoden-Gimborn, Wilhelmine, Friederike, Reichsgräfin von Wallmoden-Gimborn, auf ein eingelieferte Concession vom Königl. Großbrit. und Chur- rstl. Braunschw. Lim. Consist zu Hannover abspue proclamatione und dimissoriales vom Herrn D. Less als Ersten Hof Prediger und Consist Rat alhier Copuliret worden. F. A. Lesher, Past. sen."
Über 216 Jahre ist diese Eintragung nun alt.
Stein war zu dieser Zeit 35 Jahre alt, seine Frau 15 Jahre jünger. Hätte sie ihn wieder geheiratet, wenn sie damals gewußt hätte, was sie erwartete? Stein fragte 1809 seine Frau: "Ob sie das umherziehende Leben, das er fortan werde führen müssen, und das ihrer Gesundheit und der Ausbildung ihrer Kinder nachteilig sein werde, teilen wolle, schlicht und einfach erklärte, sie wünsche bald abzureisen, um sich wieder mit ihm zu vereinigen, wo es auch sei."
Und dabei fing alles nicht so einfach an. Stein stand der mehr als 3jährigen Bekanntschaft kritisch gegenüber, bis eine gemeinsame Reise mit der Familie Wallmoden nach Kassel im Februar 1793 zur Verlobung führte.
Stein wurde am 26. Oktober 1757 in Nessau/Lahn als Sohn des kurmainzischen Geheimrats Karl Philipp und der geistig hochbedeutenden Henriette Karoline Langwerth von Simmern geboren. Er studierte nach fromm lutherischer Erziehung von 1773 an in Göttingen Rechts- und Staatswissenschaften. 1780 trat Stein in den preußischen Staatsdienst ein. 1782 wurde er zum Oberberg- rat befördert und 1784 mit der Oberleitung der westfälischen Berg- und Hüttenämter betraut. 1793 wurde Stein Kammerdirektor in Cleve und Hamm.
In diesem Jahr heiratete er Wilhelmine Gräfin von Wallmoden-Gimborn. Nach derHochzeit zog das junge Paar nach Cleve, wo Stein 1795 Präsident der märkischen Kriegs- und Domänenkammer, 1796 Oberpräsident aller westfälischen Kammern wurde. Stein führte bergtechnische Verbesserungen nach sächsischem und mehr noch nach britischen Muster ein.
Es folgten Verbesserungen im Steuerwesen und in der Forstwirtschaft.
Seine Frau Wilhelmine jedoch mußte vom Clever Wohnsitz erst nach Wesel, dann nach Hannover flüchten, denn feindliche Heere nahmen von Cleve Besitz. Die Veränderungen der öffentlichen Verhältnisse im nördlichen Deutschland schienen auch Steins Frau etwas Ruhe zu schaffen. Mit Plünderungen der Familiengüter und deren Besetzung durch französische Heere mußte Wilhelmine aber dennoch fertig werden. Mit den fortschreitenden Jahren wurden die Prüfungen für Wilhelmine immer ernster, immer drohender. Ihr ganzes äußeres Glück schien unwiederbringlich zerstört.
Nach der verhängnisvollen Schlacht bei Auerstädt mußte Wilhelmine die Hauptstadt verlassen, alles der Verwüstung preisgeben und mit ihren Kindern nach Königsberg flüchten. Kaum in Königsberg angekommen, drohte ein Nervenfieber ihr die jüngste Tochter Therese zu entreißen. Stein selbst, inzwischen Minister des Akzise-Zoll-Fabrik und Handelswesen, doch 1807 wegen "Konfliktes" mit dem Kabinett von Friedrich Wilhelm III. entlassen, zog sich nach Nassau zurück.
Doch kaum war nach manchen Gefahren und großen Beharrlichkeiten Nassau erreicht, gab eine lebensgefährliche Krankheit Steinsseiner Frau neue Aufopferungen auf. Nach der Genesung verfaßte Stein seine Nassauer Denkschrift: "Über die zweckmäßige Bildung der Obersten und der Provinzialen, Finanz- und Polizeibehörden in der preuß. Monarchie." Auf Anraten K.A. von Hardenbergs und Napoleons wurde Stein im gleichen Jahr (1807) zum leitenden Minister berufen. Auf den Rat des nach dem Tilsiter Frieden entlassenen Hardenberg übertrug der König ihm mit Billigung Napoleons im Oktober mit geradezu diktatorischer Gewalt die Leitung der gesamten Inneren und Finanzverwaltung samt dem Vorsitz in der Immediatkommmission. Der Vorsitz in der außenpolitischen Konferenz, die Mitgliedschaft in Scharnhorsts Militärreorganisationskommmission und die Unterstellung aller sonstigen Spitzenressorts und Kommissionen machtenihn faktisch zum leitenden Staatsmann.
Durch eine Ungeschicklichkeit Steins wurde Napoleon gegen Stein aufgebracht. Ein Brief an Sayn-Wittgenstein, in dem Stein zur raschen Räumung des Landes von der französischen Besatzungsmacht schreibt, wurde abgefangen. Napoleon bestimmte in Erfurt am 23. November 1808 Steins Entlassung. Zuflucht fand die Familie Stein in Österreich-Brünn, Troppau (1809) und Prag. Im Mai 1812 berief Zar Alexander Stein zu seinem politischen Berater. In Königsberg wandte sich Stein 1813 mit einem Aufruf zur Erhebung an die ostpreußischen Stände. In Breslau konnte er den preußischen König zum Abschluß eines russisch-preußischen Bündnisses gegen Napoleon bestimmen (Vertrag von Kalisch 28.2.1813).
Der Alltag Wilhelmines blieb auch jetzt nicht ungetrübt. Sie eilte mit ihren Kindern dem Gatten nach Breslau entgegen und fand ihn hier durch ein hitziges Nervenfieber schwer krank auf. Kaum wieder genesen, riefen ihn seine Geschäftsverhältnisse ab. Auf dem Wiener Kongreß, dem Stein als Berater des Zaren beiwohnte, zeigte sich Stein als scharfer Kontrahent Metternichs in der deutschen Frage um die Wiederherstellung der großen Zahl deutscher Einzelstaaten, die er ablehnte.
1816 zog sich Stein mit 59 Jahren aus dem politischen Leben zurück und lebte mit seiner Familie erst in Nassau, Ems und Frankfurt, bis er dann nach Mißhelligkeiten mit der nassauischen Regierung auf sein 1816 erworbenes Schloß Kappenberg zog.
1819 war Stein (mit Pertz) führend an der Gründung der "Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde" beteiligt, die sich durch die Herausgabe der Quellensammlung "Monumenta Germanica" auszeichnete.
Am 15. September 1819 (42 Jahre) starb seine Frau Wilhelmine. In einem Nachruf des Freiherr vom Stein ist zu lesen: "Der Inhalt ihres ganzen Lebens war Glaube, der durch die Liebe tätig ist, aus diesem entsprangen die Tugenden, die die Verewigte zierten. Demut, Reinheit, hohes Gefühl für Wahrheit und Recht, Treue als Mutter und Gattin, Klarheit des Geistes, Richtigkeit des Urteils. Sie sprachen sich durch ihr ganzes vielgeprüftes Leben aus und verbreiteten Segen auf alle Ihre Verhältnisse und Umgebung. Besaß sie gleich in ihrer Jugend eine ausgezeichnete, edle, schöne Gestalt, und lebte sie in den Zerstreuungen der großen Welt, so gab sie doch nie auch das leiseste Gefühl den Verführungen der Eitelkeit und Gefallsucht, sondern war immer die fromme, zarte, treue Tochter, Schwester und Gattin in gleicher Reinheit und Anspruchslosigkeit. Die Richtung ihres ganzen Wesens ging auf Häuslichkeit, Familien- leben, Geselligkeit und Ruhe. Sie zu genießen, ward ihr aber von der Vorsehung nicht beschieden. Gattin eines Gemahls, dessen Leben der Sturm der Zeit heftig ergriffen hatte, wurden ihre auf Genuß gerichteten Wünsche und Erwartungen zerstört, sowie sie sich günstig zu gestalten den Anschein hatten und ihr ganzes Leben war daher eine Reihe von Entbehrungen, Anstrengungen und Aufopferungen."
Auf einem ihrer Ringe stand: "DULDEN und ENTBEHREN". Freiherr von und zum Stein überlebten drei Töchter, so daß er als Letzter seines Geschlechts am 29. Juni 1831 in Kappenberg starb.
Georg Friedrich Menge Geboren am 11.02.1818 in Heinde
Gleich unmittelbar unter der Rotbuche, zum Eingang der Heinder Kirche, befindet sich der Grabstein von Lehrer J.G. Menge und seiner Ehefrau Sophie geb. Bollmann, der 50 Jahre Lehrer in Heinde war.
Oft sind wir vorbeigegangen, ohne die Bedeutung der „alten Grabsteine“ zu würdigen, oder wahrzunehmen. Der Grabstein von Lehrer Menge erzählt uns diese Geschichte:
50 Jahre Lehrer in Heinde. Sicher eine lange Zeit, für die heutige Zeit. Die damalige Schule im ehemaligen Küsterhaus, erbaut 1827 gab es noch nicht und der Unterricht fand an einer mir nicht bekannten Stelle statt. Vermutlich wird es im Pfarrhaus gewesen sein.
Dieser Lehrer Menge hatte einen für Hildesheim berühmten Sohn:
Georg Friedrich Menge
Dieser Georg Friedrich Menge war einer der bedeutendsten Stuhlmeister der Hildesheimer Freimaurerloge. Auf betreiben der Bruderschaft und des nachfolgenden Stuhlmeisters F.W. Schwemann stiftete die Loge zu Ehren des verstorbenen Stuhlmeisters (12.05.1879) ein Denkmal, welches am 24.Juni 1880 fertiggestellt war. Das meisterhaft ausgeführte Denkmal mit Medaillon in Bronze wurde vom Bildhauer Prof. Künsthardt geschaffen. Es befindet sich heute rechts neben der Barocktreppe des Logenhauses in der Keßlerstr. 57, in Hildesheim.
Lebenslauf
Gerog Friedrich Menge wurde am 11. Februar 1818 in Heinde als Sohn eines Kantors geboren. Er besuchte das Gymnasium Andreanum in Hildesheim, studierte in Göttingen Jura und wurde nach bestandenem Examen bei der Justizkanzlei in Hildesheim als Kanzleisekretär angestellt. Daneben war er 30 Jahre lang Sekretär beim Armen-Administrationskollegium . G.F. Menge war einer der bedeutendsten Stuhlmeister der Hildesheimer Freimaurerloge.
Am 09. Oktober 1861 wurde Car Huter in Heinde als Sohn des Wasserbaumeister Conrad Huter und Johanne Laffert geboren.
1866 bis 1868 entdeckte Huter primäre und polare Naturelltypen an den Bewohner in Heinde.
Dann starb sein Vater. Carl Huter kam zu kinderlosen Verwandten mit einem kleinen bäuerlichen Hof in einem Nachbarort.
1880 beendete Huter seine Lehre bei einem Dekorations- und Kunstmaler in Hildesheim. Er ließ sich bis 1885 in Berlin, Dresden und Leipzig zum Portätmaler ausbilden. Carl Huter wurde 1884 Mitglied der “Gesellschaft für harmonische Philosophie”. Bis 1912 folgten Vorträge in allein Teilen Deutschland.
Dr. med. Quel, Mühlheim, schrieb 1899 über Huter: “Er besitzt die seltene Gabe, in der Erforschung der Natur bis in ihre geheimsten Schlupfwinkel zu folgen, sie mit dem schärfsten Kritizismusund Skeptizismus zu zerlegen, um im nächsten Augenblick die zerstreutenBausteine der Wissenschaft auf allen gebieten menschlicher Geistarbeit zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufassen”.
Von 1885 bis 1891 lebte Huter als Kunst- und Porträtmaler in Hildesheim, Braunschweig und Wolfenbüttel. Gleiczeitig lief der wissenschaftliche Ausbau der Psycho-Physiognomik und Vortragstätigkeit.
1892 erkrankte Huter an Halskrebs und siedelte nach Bremen zu einem Spezialarzt über. Er studierte unterschiedliche Methoden der Heilkunst. 1893 zog Huter nach Hannover. Hier fanden naturwissenschaftliche und physiologische Forschungen statt. 1897 eröffnete er eine eigene Kuranstalt In Detmold. Von 1898 bis 1909 erfolgten die Publikationen der meisten umfangreichen Schriften über heilkundliche psycho-physiognomisch philosophische, ethische und heilkundliche Themen. In fünf Bänden kam die “Menschenkenntnis durch Körper-, Lebens-, Seelen - und Gesichtsausdruckskunde” auf neuere wissenschaftlichen Grundlagen. Dieses Werk war die grundlegende Arbeit Huters für ein neues Welt-, Natur-, und Lebensverständnis. Der Mensch wurde in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt.